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Zwischen Rom und Mainz, Wittenberg und Königsberg. Die politischen Berater von Kurfürst Joachim I. von Brandenburg und der Beginn der Reformation (1517–1535)

Zwischen Rom und Mainz, Wittenberg und Königsberg. Die politischen Berater von Kurfürst Joachim... Zwischen Rom und Mainz, Wittenberg und Königsberg. Die politischen Berater von Kurfürst JoachimI. von Branden- burg und der Beginn der Reformation (1517–1535) Von Mathis Leibetseder In der heute auf Archive in Dänemark, Norwegen und Schweden aufgeteilten „München-samlingen“, demBriefarchivdesdänischenExilkönigsChristianII., befindetsicheinSchreiben,welchesKurfürstJoachim I.vonBrandenburg1526 im Jagdhaus Wandlitz an ihn aufsetzte. Dieses Schreiben verfolgte nur ein Ziel, nämlichseinenSchwager–ChristianII.warderBruderderKurfürstin–dazuzu bewegen, die Fastenzeit einzuhalten. Denn, so der Kurfürst, Christian habe sich beiseinerAbreisevomHofzuCöllnanderSpreemitFleischverproviantiertund diesesunterwegsmitseinemGefolgeverzehrt.DiesfandJoachimnichtnureines „cristlichennkonig[s]“unwürdig,sondernmeinteesauchgegenüberdemKaiser und „andern cristlichenn hauptern vnnd stendenn“nicht verantworten zu kön- nen. Besonders fürchtete er, verdächtigt zu werden, selbst „solchem furnehmen, anhengig vnnd teilhafftig“ zu sein, da der Verstoß gegen das Fastengebot „jnn vnnser sicherung vnnd glait“ geschehe. Dementsprechend bat der Kurfürst, Christian möge von derlei Verstößen „wider die althergebrachte ordenung, vnd aussatzung, der heiligenn cristlichenn kirchenn“ absehen und sich „nach der cristlichen kirchenn altenn aussatzungen vnnd ordenungen wie E. ko. w. vater vnnd eltern seliger gedechtnus loblich gethann, haltenn“. Joachim sprach dem Exilkönig also eindringlich ins Gewissen, er möge sich an die Religion seiner Vorfahren halten, den alten Gebräuchen und Glaubenssätzen folgen oder diese zumindestsolangerespektieren,wieersichimKurfürstentumBrandenburgauf- halte und unter kurfürstlichem Geleit stehe. Man kann dieses Schreiben durch- ausbezeichnendfindenfüreinenKurfürsten,welcherderForschungseitlangem als einer der extremsten Gegner Luthers bekannt ist. Wie viele seiner Standes- 1. EmilieAndersen,München-Samlingen.KongChristiernIIs,dronningElisabethmedfle- resarkiver,Kopenhagen1969. 2. http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Archiv für Reformationsgeschichte - Archive for Reformation History de Gruyter

Zwischen Rom und Mainz, Wittenberg und Königsberg. Die politischen Berater von Kurfürst Joachim I. von Brandenburg und der Beginn der Reformation (1517–1535)

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Publisher
de Gruyter
Copyright
© 2021 by Gütersloher Verlagshaus
eISSN
2198-0489
DOI
10.14315/arg-2016-1070102
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Abstract

Zwischen Rom und Mainz, Wittenberg und Königsberg. Die politischen Berater von Kurfürst JoachimI. von Branden- burg und der Beginn der Reformation (1517–1535) Von Mathis Leibetseder In der heute auf Archive in Dänemark, Norwegen und Schweden aufgeteilten „München-samlingen“, demBriefarchivdesdänischenExilkönigsChristianII., befindetsicheinSchreiben,welchesKurfürstJoachim I.vonBrandenburg1526 im Jagdhaus Wandlitz an ihn aufsetzte. Dieses Schreiben verfolgte nur ein Ziel, nämlichseinenSchwager–ChristianII.warderBruderderKurfürstin–dazuzu bewegen, die Fastenzeit einzuhalten. Denn, so der Kurfürst, Christian habe sich beiseinerAbreisevomHofzuCöllnanderSpreemitFleischverproviantiertund diesesunterwegsmitseinemGefolgeverzehrt.DiesfandJoachimnichtnureines „cristlichennkonig[s]“unwürdig,sondernmeinteesauchgegenüberdemKaiser und „andern cristlichenn hauptern vnnd stendenn“nicht verantworten zu kön- nen. Besonders fürchtete er, verdächtigt zu werden, selbst „solchem furnehmen, anhengig vnnd teilhafftig“ zu sein, da der Verstoß gegen das Fastengebot „jnn vnnser sicherung vnnd glait“ geschehe. Dementsprechend bat der Kurfürst, Christian möge von derlei Verstößen „wider die althergebrachte ordenung, vnd aussatzung, der heiligenn cristlichenn kirchenn“ absehen und sich „nach der cristlichen kirchenn altenn aussatzungen vnnd ordenungen wie E. ko. w. vater vnnd eltern seliger gedechtnus loblich gethann, haltenn“. Joachim sprach dem Exilkönig also eindringlich ins Gewissen, er möge sich an die Religion seiner Vorfahren halten, den alten Gebräuchen und Glaubenssätzen folgen oder diese zumindestsolangerespektieren,wieersichimKurfürstentumBrandenburgauf- halte und unter kurfürstlichem Geleit stehe. Man kann dieses Schreiben durch- ausbezeichnendfindenfüreinenKurfürsten,welcherderForschungseitlangem als einer der extremsten Gegner Luthers bekannt ist. Wie viele seiner Standes- 1. EmilieAndersen,München-Samlingen.KongChristiernIIs,dronningElisabethmedfle- resarkiver,Kopenhagen1969. 2.

Journal

Archiv für Reformationsgeschichte - Archive for Reformation Historyde Gruyter

Published: Oct 1, 2016

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