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Wie kommt es zu rumstudierenden Hinterbänklern und anderen Sonderlingen? Pfade zu pejorativen Wortbildungsbedeutungen im Deutschen

Wie kommt es zu rumstudierenden Hinterbänklern und anderen Sonderlingen? Pfade zu pejorativen... Antje Dammel (Mainz) Wie kommt es zu rumstudierenden Hinterbänklern und anderen Sonderlingen? Pfade zu pejorativen Wortbildungsbedeutungen im Deutschen 1. Einleitung Dieser Beitrag gilt der diachronen Entwicklung evaluativer Morphologie, spezifi scher: pejorativer Derivationsmuster, die der negativen Bewertung durch den Sprecher dienen. Anhand von Fallskizzen wird eine (erwei- terbare) Typologie möglicher Entwicklungspfade pejorativer Derivations- affi xe erarbeitet (Kap. 2). Dabei wird gefragt: Wie entstehen pejorative Derivationsmuster? Welche semantischen Wortbildungstypen bieten sich warum als Spenderbereiche an? Und welche Brückenkontexte sind an- zunehmen? Damit sind zum einen Kontexte i.w.S. gemeint, besonders aber auch der Minimalkontext: Von welchen Derivationsbasen geht die Entwicklung aus? Es wird gezeigt, dass bei Referenz auf Personen (2.1) Diminutiv- und Zugehörigkeitssuffi xe pejoratives Potenzial haben. Zur ne- gativen Bewertung von Handlungen (2.2) lassen sich verbale Diminution (förscheln), und der aus einem Direktionaladverb entwickelte Verbzusatz (he)rum nutzen (rumstudieren). Auch Verbalabstrakta mit Kollektivseman- tik entwickeln pejorative Konnotationen (vgl. das Gerufe, die Ruferei vs. das Rufen). In Abschnitt 3. wird ein gemeinsamer Nenner der behandelten Fälle herausgearbeitet und ein Modell für die Entstehung pejorativer Af- fi xbedeutungen vorgeschlagen. Zunächst werden allerdings einige theore- tische Voraussetzungen geklärt. 1.1. Dysphemismus > Pejorativ Da die hier gewählte Fragestellung an der Schnittstelle zwischen histori- scher Pragmatik und http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Jahrbuch für Germanistische Sprachgeschichte de Gruyter

Wie kommt es zu rumstudierenden Hinterbänklern und anderen Sonderlingen? Pfade zu pejorativen Wortbildungsbedeutungen im Deutschen

Jahrbuch für Germanistische Sprachgeschichte , Volume 2 (1): 18 – Sep 15, 2011

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References (6)

Publisher
de Gruyter
Copyright
Copyright © by Walter de Gruyter GmbH
ISSN
1869-7046
eISSN
1869-7046
DOI
10.1515/9783110236620.326
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Abstract

Antje Dammel (Mainz) Wie kommt es zu rumstudierenden Hinterbänklern und anderen Sonderlingen? Pfade zu pejorativen Wortbildungsbedeutungen im Deutschen 1. Einleitung Dieser Beitrag gilt der diachronen Entwicklung evaluativer Morphologie, spezifi scher: pejorativer Derivationsmuster, die der negativen Bewertung durch den Sprecher dienen. Anhand von Fallskizzen wird eine (erwei- terbare) Typologie möglicher Entwicklungspfade pejorativer Derivations- affi xe erarbeitet (Kap. 2). Dabei wird gefragt: Wie entstehen pejorative Derivationsmuster? Welche semantischen Wortbildungstypen bieten sich warum als Spenderbereiche an? Und welche Brückenkontexte sind an- zunehmen? Damit sind zum einen Kontexte i.w.S. gemeint, besonders aber auch der Minimalkontext: Von welchen Derivationsbasen geht die Entwicklung aus? Es wird gezeigt, dass bei Referenz auf Personen (2.1) Diminutiv- und Zugehörigkeitssuffi xe pejoratives Potenzial haben. Zur ne- gativen Bewertung von Handlungen (2.2) lassen sich verbale Diminution (förscheln), und der aus einem Direktionaladverb entwickelte Verbzusatz (he)rum nutzen (rumstudieren). Auch Verbalabstrakta mit Kollektivseman- tik entwickeln pejorative Konnotationen (vgl. das Gerufe, die Ruferei vs. das Rufen). In Abschnitt 3. wird ein gemeinsamer Nenner der behandelten Fälle herausgearbeitet und ein Modell für die Entstehung pejorativer Af- fi xbedeutungen vorgeschlagen. Zunächst werden allerdings einige theore- tische Voraussetzungen geklärt. 1.1. Dysphemismus > Pejorativ Da die hier gewählte Fragestellung an der Schnittstelle zwischen histori- scher Pragmatik und

Journal

Jahrbuch für Germanistische Sprachgeschichtede Gruyter

Published: Sep 15, 2011

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