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Von der ‚Jungfrau‘ zur ‚Magd‘, vom ‚Mädchen‘ zur ‚Prostituierten‘: Die Pejorisierung der Frauenbezeichnungen als Zerrspiegel der Kultur und als Effekt männlicher Galanterie?

Von der ‚Jungfrau‘ zur ‚Magd‘, vom ‚Mädchen‘ zur ‚Prostituierten‘: Die Pejorisierung der... Damaris Nübling (Mainz) Von der ‚Jungfrau‘ zur ‚Magd‘, vom ‚Mädchen‘ zur ‚Prostituierten‘: Die Pejorisierung der Frauenbezeichnungen als Zerrspiegel der Kultur und als Effekt männlicher Galanterie? 1. Einleitung Im Mhd. gab es zwei analog gebildete Komposita, junc-herre ‚junger Herr, Edelknabe‘ und junc-vrouwe ‚junge Herrin, Edelfräulein‘. Beide Personen- bezeichnungen bezogen sich auf die gleiche (hohe) Gesellschaftsschicht. Im weiteren Verlauf haben sich die beiden Bedeutungen diametral ausein- anderentwickelt: Junker bezeichnet heute den Vertreter eines Adelsstands, einen Edelmann, während Jungfer sich auf die sexuelle Unberührtheit einer Frau bezieht und abwertend gebraucht wird als „ältere, prüde, zim- perliche, unverheirat gebliebene Frau: sie ist eine richtige [alte] J.“ (Duden- Universalwörterbuch 2001). Fast immer führt Jungfer als feste Kollokation das Adjektiv alt mit sich, was eine doppelte (negative) Biologisierung der Frau impliziert: Zum einen hat sie in ihrer biologischen Funktion als Geschlechtspartnerin versagt, zum anderen hat sie durch ihr Alter ihre Attraktivität eingebüßt; sie wird als Frau also nicht mehr begehrt, sie ist entwertet. In beiden Fällen wird die Frau aus männlicher Sicht evaluiert. Männerbezeichnungen wurden dagegen nie biologisiert, da Männer, wie dies Kochskämper (1993) anhand einer Untersuchung der Benennungs- motive von Männerbezeichnungen überzeugend darlegt, grundsätzlich nur in Bezug zur Welt, zur Gesellschaft oder zu Göttern http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Jahrbuch für Germanistische Sprachgeschichte de Gruyter

Von der ‚Jungfrau‘ zur ‚Magd‘, vom ‚Mädchen‘ zur ‚Prostituierten‘: Die Pejorisierung der Frauenbezeichnungen als Zerrspiegel der Kultur und als Effekt männlicher Galanterie?

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Publisher
de Gruyter
Copyright
Copyright © by Walter de Gruyter GmbH
ISSN
1869-7046
eISSN
1869-7046
DOI
10.1515/9783110236620.344
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Abstract

Damaris Nübling (Mainz) Von der ‚Jungfrau‘ zur ‚Magd‘, vom ‚Mädchen‘ zur ‚Prostituierten‘: Die Pejorisierung der Frauenbezeichnungen als Zerrspiegel der Kultur und als Effekt männlicher Galanterie? 1. Einleitung Im Mhd. gab es zwei analog gebildete Komposita, junc-herre ‚junger Herr, Edelknabe‘ und junc-vrouwe ‚junge Herrin, Edelfräulein‘. Beide Personen- bezeichnungen bezogen sich auf die gleiche (hohe) Gesellschaftsschicht. Im weiteren Verlauf haben sich die beiden Bedeutungen diametral ausein- anderentwickelt: Junker bezeichnet heute den Vertreter eines Adelsstands, einen Edelmann, während Jungfer sich auf die sexuelle Unberührtheit einer Frau bezieht und abwertend gebraucht wird als „ältere, prüde, zim- perliche, unverheirat gebliebene Frau: sie ist eine richtige [alte] J.“ (Duden- Universalwörterbuch 2001). Fast immer führt Jungfer als feste Kollokation das Adjektiv alt mit sich, was eine doppelte (negative) Biologisierung der Frau impliziert: Zum einen hat sie in ihrer biologischen Funktion als Geschlechtspartnerin versagt, zum anderen hat sie durch ihr Alter ihre Attraktivität eingebüßt; sie wird als Frau also nicht mehr begehrt, sie ist entwertet. In beiden Fällen wird die Frau aus männlicher Sicht evaluiert. Männerbezeichnungen wurden dagegen nie biologisiert, da Männer, wie dies Kochskämper (1993) anhand einer Untersuchung der Benennungs- motive von Männerbezeichnungen überzeugend darlegt, grundsätzlich nur in Bezug zur Welt, zur Gesellschaft oder zu Göttern

Journal

Jahrbuch für Germanistische Sprachgeschichtede Gruyter

Published: Sep 15, 2011

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