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Vom Konzil zum Gründungsmythos: Wie der „Geist von Trient“ auf den Begriff gebracht wurde

Vom Konzil zum Gründungsmythos: Wie der „Geist von Trient“ auf den Begriff gebracht wurde Vom Konzil zum Gründungsmythos: Wie der auf den Begriff gebracht wurde* Von Birgit Begriffe formen das Denken ­ das gilt für die Erforschung der Reformationsgeschichte nicht anders als für den Blick auf die andere Seite, für die katholische Kirche und die Benennungen, die ihre Phasen und Aktivitäten im Verlauf der Frühen Neuzeit gefunden haben. Neben gängigen Konzepten wie Gegenreformation, katholische Konfessionalisierung oder Barockkatholizismus, die allesamt theoretisch mehr oder minder aufgeladen sind, begegnet hier regelmäßig ein weiterer Begriff: die tridentinische Kirche. 1 Auf den ersten Blick erscheint er neutraler als seine Alternativen. Mit der tridentinischen ist schlicht die Kirche gemeint, die in Dogmatik wie Organisation maßgeblich von jenem Trienter Konzil geprägt worden ist, das zwischen 1545 und 1563 mit langen Pausen in der Grenzstadt zwischen Italien und dem Reich tagte und am Ende eine Sammlung von Dekreten verabschiedete, die der krisengeschüttelten Papstkirche zu neuer Stärke verhalfen. Hinter der Benennung der Kirche als tridentinisch steckt mithin die Überzeugung, das Konzil habe der katholischen Kirche erst eigentlich ihren frühneuzeitlichen Charakter verliehen. 2 In dieser traditionellen Sichtweise, die im Übrigen bei Historikern und Kirchenhistorikern aller Konfessionen Anhänger gefunden hat, werden dem Konzil vor allem zwei Leistungen zugeschrieben: die klare dogmatische Abgrenzung von http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Archiv für Reformationsgeschichte - Archive for Reformation History de Gruyter

Vom Konzil zum Gründungsmythos: Wie der „Geist von Trient“ auf den Begriff gebracht wurde

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Publisher
de Gruyter
Copyright
Copyright © 2016 by the
ISSN
2198-0489
eISSN
2198-0489
DOI
10.14315/arg-2016-0118
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Abstract

Vom Konzil zum Gründungsmythos: Wie der auf den Begriff gebracht wurde* Von Birgit Begriffe formen das Denken ­ das gilt für die Erforschung der Reformationsgeschichte nicht anders als für den Blick auf die andere Seite, für die katholische Kirche und die Benennungen, die ihre Phasen und Aktivitäten im Verlauf der Frühen Neuzeit gefunden haben. Neben gängigen Konzepten wie Gegenreformation, katholische Konfessionalisierung oder Barockkatholizismus, die allesamt theoretisch mehr oder minder aufgeladen sind, begegnet hier regelmäßig ein weiterer Begriff: die tridentinische Kirche. 1 Auf den ersten Blick erscheint er neutraler als seine Alternativen. Mit der tridentinischen ist schlicht die Kirche gemeint, die in Dogmatik wie Organisation maßgeblich von jenem Trienter Konzil geprägt worden ist, das zwischen 1545 und 1563 mit langen Pausen in der Grenzstadt zwischen Italien und dem Reich tagte und am Ende eine Sammlung von Dekreten verabschiedete, die der krisengeschüttelten Papstkirche zu neuer Stärke verhalfen. Hinter der Benennung der Kirche als tridentinisch steckt mithin die Überzeugung, das Konzil habe der katholischen Kirche erst eigentlich ihren frühneuzeitlichen Charakter verliehen. 2 In dieser traditionellen Sichtweise, die im Übrigen bei Historikern und Kirchenhistorikern aller Konfessionen Anhänger gefunden hat, werden dem Konzil vor allem zwei Leistungen zugeschrieben: die klare dogmatische Abgrenzung von

Journal

Archiv für Reformationsgeschichte - Archive for Reformation Historyde Gruyter

Published: Oct 1, 2016

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