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Ungleichheiten als Chance? Hofjüüdinnen als Kauffrauen

Ungleichheiten als Chance? Hofjüüdinnen als Kauffrauen ASCHKENAS – Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden 17/2007, H. 2 Barbara Staudinger Ungleichheiten als Chance? Hofjüdinnen als Kauffrauen In den 1640er Jahren war die Welt des Löb Austerlitz noch in Ordnung. In der kaiserlichen Residenzstadt Wien hatte er Karriere gemacht, er war Hofjude geworden, hatte seine Ehefrau Zartl geheiratet, hatte Kinder bekommen1 und war schließlich mit zwei der einflussreichsten Wiener Hofjuden, Jakob (Koppel) Fränkel (»der Reiche«) und Zacharias Mayr, ins Geschäft gekommen. Gemeinsam wurden sie »Niederösterreichische Landschaftsjuden«2, was so viel hieß, als dass sie den Beitrag der niederösterreichischen Stände für die kaiserlichen Truppen an der Türkengrenze in Ungarn organisierten – ein lukratives, wenn auch risikoreiches Geschäft. Damals, wie gesagt, lief für Löb Austerlitz alles bestens, doch dann, wahrscheinlich im Jahr 1645, ereignete sich etwas, was in den Quellen als »langwürige[r] schwehre[r] zuestandt, durch welchen er seiner nottürftlichen vernumfft beraubt geweßen«3 bezeichnet wird, eine Krankheit, die Löb Austerlitz nachhaltig außer Gefecht setzte und ihn geistig unzurechnungsfähig machte, wenn er denn überhaupt ansprechbar gewesen sein sollte. Und dieser Zustand, über den wir nur spekulieren können, dauerte lange: Zwölf Jahre lang litt Löb Austerlitz an der »blödtsinigen krankhheit«4, bis er schließlich vollkommen unvermutet erwachte, gesundete und wissen wollte, was http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Aschkenas - Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden de Gruyter

Ungleichheiten als Chance? Hofjüüdinnen als Kauffrauen

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Publisher
de Gruyter
Copyright
©© Max Niemeyer Verlag, 2009
ISSN
1016-4987
eISSN
1865-9438
DOI
10.1515/ASCH.2010.385
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Abstract

ASCHKENAS – Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden 17/2007, H. 2 Barbara Staudinger Ungleichheiten als Chance? Hofjüdinnen als Kauffrauen In den 1640er Jahren war die Welt des Löb Austerlitz noch in Ordnung. In der kaiserlichen Residenzstadt Wien hatte er Karriere gemacht, er war Hofjude geworden, hatte seine Ehefrau Zartl geheiratet, hatte Kinder bekommen1 und war schließlich mit zwei der einflussreichsten Wiener Hofjuden, Jakob (Koppel) Fränkel (»der Reiche«) und Zacharias Mayr, ins Geschäft gekommen. Gemeinsam wurden sie »Niederösterreichische Landschaftsjuden«2, was so viel hieß, als dass sie den Beitrag der niederösterreichischen Stände für die kaiserlichen Truppen an der Türkengrenze in Ungarn organisierten – ein lukratives, wenn auch risikoreiches Geschäft. Damals, wie gesagt, lief für Löb Austerlitz alles bestens, doch dann, wahrscheinlich im Jahr 1645, ereignete sich etwas, was in den Quellen als »langwürige[r] schwehre[r] zuestandt, durch welchen er seiner nottürftlichen vernumfft beraubt geweßen«3 bezeichnet wird, eine Krankheit, die Löb Austerlitz nachhaltig außer Gefecht setzte und ihn geistig unzurechnungsfähig machte, wenn er denn überhaupt ansprechbar gewesen sein sollte. Und dieser Zustand, über den wir nur spekulieren können, dauerte lange: Zwölf Jahre lang litt Löb Austerlitz an der »blödtsinigen krankhheit«4, bis er schließlich vollkommen unvermutet erwachte, gesundete und wissen wollte, was

Journal

Aschkenas - Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Judende Gruyter

Published: Feb 1, 2010

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