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»Mit Ballin unterwegs«. Jüdische Migranten aus Osteuropa im Transit durch Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg

»Mit Ballin unterwegs«. Jüdische Migranten aus Osteuropa im Transit durch Deutschland vor dem... ASCHKENAS ­ Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden 17/2007, H. 1 Tobias Brinkmann »Mit Ballin unterwegs« Jüdische Migranten aus Osteuropa im Transit durch Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg An einem Sommertag im Jahr 1904 machte der junge Zionist und Rechtsanwalt Sammy Gronemann eine ungewöhnliche Entdeckung. Eine gute Freundin stürzte in sein Büro in der Innenstadt von Hannover und forderte ihn auf, sie auf der Stelle zum Hauptbahnhof zu begleiten. Etwas abseits des Bahnhofgebäudes führte sie ihn zum Areal des Güterbahnhofs. In seinen Mitte der 1940er Jahre in Palästina verfassten Memoiren findet sich eine Beschreibung der Szenerie, die sich dem jungen Anwalt darbot: »[...] dort stand ein langer Zug von Viehwagen, aus deren Türen hilfesuchende ostjüdische Flüchtlinge, Männer, Frauen und Kinder, ihre Arme streckten. Zu meinem höchsten Erstaunen zog Änne aus ihrer Tasche ein Schlüsselbund und öffnete diese Türen, worauf die Menge herausströmte und sich freudig auf die Wasserpumpen stürzte. Was bedeutete das?«1 Gronemann stellte Nachforschungen an. Seine Bekannte hatte die Schlüssel zu den Waggons erhalten, nachdem sie die Bahnangestellten auf die Not und Verzweiflung der Passagiere hingewiesen hatte. Die Reisenden, das stellte sich schnell heraus, waren Juden und Ruthenen aus Galizien auf dem Weg nach Amerika. Sie http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Aschkenas de Gruyter

»Mit Ballin unterwegs«. Jüdische Migranten aus Osteuropa im Transit durch Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg

Aschkenas , Volume 17 (1) – Jan 1, 2009

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Publisher
de Gruyter
Copyright
Copyright © 2009 by the
ISSN
1016-4987
eISSN
1865-9438
DOI
10.1515/ASCH.2009.75
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Abstract

ASCHKENAS ­ Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden 17/2007, H. 1 Tobias Brinkmann »Mit Ballin unterwegs« Jüdische Migranten aus Osteuropa im Transit durch Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg An einem Sommertag im Jahr 1904 machte der junge Zionist und Rechtsanwalt Sammy Gronemann eine ungewöhnliche Entdeckung. Eine gute Freundin stürzte in sein Büro in der Innenstadt von Hannover und forderte ihn auf, sie auf der Stelle zum Hauptbahnhof zu begleiten. Etwas abseits des Bahnhofgebäudes führte sie ihn zum Areal des Güterbahnhofs. In seinen Mitte der 1940er Jahre in Palästina verfassten Memoiren findet sich eine Beschreibung der Szenerie, die sich dem jungen Anwalt darbot: »[...] dort stand ein langer Zug von Viehwagen, aus deren Türen hilfesuchende ostjüdische Flüchtlinge, Männer, Frauen und Kinder, ihre Arme streckten. Zu meinem höchsten Erstaunen zog Änne aus ihrer Tasche ein Schlüsselbund und öffnete diese Türen, worauf die Menge herausströmte und sich freudig auf die Wasserpumpen stürzte. Was bedeutete das?«1 Gronemann stellte Nachforschungen an. Seine Bekannte hatte die Schlüssel zu den Waggons erhalten, nachdem sie die Bahnangestellten auf die Not und Verzweiflung der Passagiere hingewiesen hatte. Die Reisenden, das stellte sich schnell heraus, waren Juden und Ruthenen aus Galizien auf dem Weg nach Amerika. Sie

Journal

Aschkenasde Gruyter

Published: Jan 1, 2009

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