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Kleinere Beiträge

Kleinere Beiträge ASCHKENAS - Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden 10/2000, H. l STEFAN LITT Territoriale Organisationsformen der Juden in Thüringen während der Frühen Neuzeit* Territoriale Organisationsformen von Juden waren ein Phänomen, das sich nahezu in allen von Juden bewohnten Territorien des Alten Reiches, teilweise vom späten Mittelalter bis hinein ins 19. Jahrhundert fand. Diese werden besonders für die Zeit ab dem 17. Jahrhundert auch als Landjudenschaften bezeichnet. Derartige Zusammenschlüsse von jüdischen Einwohnern eines politischen Territoriums fanden aus mehreren Gründen statt: Der wichtigste war der fiskalische, da durch ihre Selbstverwaltung die vom jeweiligen Landesherrn festgelegten Abgaben und andere Lasten effizient selbst unter den einzelnen Familien aufgeteilt und erhoben wurden. Daneben übernahm die Landjudenschaft die Funktionen der lokalen Gemeinde, die für viele Juden in der Frühen Neuzeit durch die starke Zerstreuung von oft jeweils nur wenigen Personen auf kleine Landsiedlungen nicht mehr existierte. Wenn dennoch an einem Ort ausreichend Juden lebten, um eine eigene Gemeinde zu unterhalten, so existierte diese meist autonom neben der Landjudenschaft. Die wichtigste Institution war der Landtag (Yom Hawa'ad), der sich zumeist zur Regelung der Abgabenleistung und zur Wahl der Vorsteher zusammenfand. Daneben fand sich oft auch ein Landrabbiner, der als Vorsteher des Gerichts (Av Beit http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Aschkenas - Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden de Gruyter

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Publisher
de Gruyter
Copyright
Copyright © 2009 Walter de Gruyter
ISSN
1016-4987
eISSN
1016-4987
DOI
10.1515/asch.2000.10.1.245
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Abstract

ASCHKENAS - Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden 10/2000, H. l STEFAN LITT Territoriale Organisationsformen der Juden in Thüringen während der Frühen Neuzeit* Territoriale Organisationsformen von Juden waren ein Phänomen, das sich nahezu in allen von Juden bewohnten Territorien des Alten Reiches, teilweise vom späten Mittelalter bis hinein ins 19. Jahrhundert fand. Diese werden besonders für die Zeit ab dem 17. Jahrhundert auch als Landjudenschaften bezeichnet. Derartige Zusammenschlüsse von jüdischen Einwohnern eines politischen Territoriums fanden aus mehreren Gründen statt: Der wichtigste war der fiskalische, da durch ihre Selbstverwaltung die vom jeweiligen Landesherrn festgelegten Abgaben und andere Lasten effizient selbst unter den einzelnen Familien aufgeteilt und erhoben wurden. Daneben übernahm die Landjudenschaft die Funktionen der lokalen Gemeinde, die für viele Juden in der Frühen Neuzeit durch die starke Zerstreuung von oft jeweils nur wenigen Personen auf kleine Landsiedlungen nicht mehr existierte. Wenn dennoch an einem Ort ausreichend Juden lebten, um eine eigene Gemeinde zu unterhalten, so existierte diese meist autonom neben der Landjudenschaft. Die wichtigste Institution war der Landtag (Yom Hawa'ad), der sich zumeist zur Regelung der Abgabenleistung und zur Wahl der Vorsteher zusammenfand. Daneben fand sich oft auch ein Landrabbiner, der als Vorsteher des Gerichts (Av Beit

Journal

Aschkenas - Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Judende Gruyter

Published: Jan 1, 2000

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