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Im Schatten des »Parnaß«. Moritz Goldstein und die Jüdische Renaissance

Im Schatten des »Parnaß«. Moritz Goldstein und die Jüdische Renaissance ASCHKENAS – Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden 18/19 2008/2009, H. 2 Till Schicketanz Im Schatten des »Parnaß« Moritz Goldstein und die Jüdische Renaissance1 Dies ist das Unrecht, gegen das ich mich wehre: Ich erhebe den Anspruch, eine schöpferische Leistung von Rang vollbracht zu haben. Aber ich lebe im Dunkeln, unbekannt, unerkannt, vereinzelt und vereinsamt. Ich führe das Leben einer unscheinbaren Pflichterfüllung; von je her, aber mehr als je, seit ich aus meiner Heimat vertrieben bin.2 Diese Klage, die Moritz Goldstein zu Beginn seiner Erinnerungen äußert, komprimiert einen Zusammenhang, der die Lebensläufe ungezählter europäischer Juden überschattet – das Schicksal, das mühevoll geschaffene Lebenswerk nach Exil, Nazizeit, Krieg und Shoa nicht fortführen zu können und dem Vergessen preisgegeben zu sehen. An Goldstein vollzog sich diese Tragödie auf repräsentative Weise: Bis 1933 als erfolgreicher Journalist international bekannt, entzog die ›Machtergreifung‹ ihm wie vielen anderen die Existenzgrundlage und alle Publikationsmöglichkeiten. Glücklich entkamen er und seine Familie wiederholt den Nationalsozialisten, aber das journalistische Å’uvre, das die Entwicklung der Weimarer Republik minutiös dokumentiert, geriet in Vergessenheit. Weder die von ihm als wesentlich erachteten Werke – Romane, Erzählungen, Dramen und philosophische Abhandlungen – noch seine große, bislang ungedruckte Schrift Die Sache der Juden http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Aschkenas de Gruyter

Im Schatten des »Parnaß«. Moritz Goldstein und die Jüdische Renaissance

Aschkenas , Volume (2) – Dec 1, 2010

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Publisher
de Gruyter
Copyright
Copyright © 2010 by the
ISSN
1016-4987
eISSN
1865-9438
DOI
10.1515/asch.2009.014
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Abstract

ASCHKENAS – Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden 18/19 2008/2009, H. 2 Till Schicketanz Im Schatten des »Parnaß« Moritz Goldstein und die Jüdische Renaissance1 Dies ist das Unrecht, gegen das ich mich wehre: Ich erhebe den Anspruch, eine schöpferische Leistung von Rang vollbracht zu haben. Aber ich lebe im Dunkeln, unbekannt, unerkannt, vereinzelt und vereinsamt. Ich führe das Leben einer unscheinbaren Pflichterfüllung; von je her, aber mehr als je, seit ich aus meiner Heimat vertrieben bin.2 Diese Klage, die Moritz Goldstein zu Beginn seiner Erinnerungen äußert, komprimiert einen Zusammenhang, der die Lebensläufe ungezählter europäischer Juden überschattet – das Schicksal, das mühevoll geschaffene Lebenswerk nach Exil, Nazizeit, Krieg und Shoa nicht fortführen zu können und dem Vergessen preisgegeben zu sehen. An Goldstein vollzog sich diese Tragödie auf repräsentative Weise: Bis 1933 als erfolgreicher Journalist international bekannt, entzog die ›Machtergreifung‹ ihm wie vielen anderen die Existenzgrundlage und alle Publikationsmöglichkeiten. Glücklich entkamen er und seine Familie wiederholt den Nationalsozialisten, aber das journalistische Œuvre, das die Entwicklung der Weimarer Republik minutiös dokumentiert, geriet in Vergessenheit. Weder die von ihm als wesentlich erachteten Werke – Romane, Erzählungen, Dramen und philosophische Abhandlungen – noch seine große, bislang ungedruckte Schrift Die Sache der Juden

Journal

Aschkenasde Gruyter

Published: Dec 1, 2010

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