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Heimat – Zur Semantik eines schwierigen Begriffs

Heimat – Zur Semantik eines schwierigen Begriffs Jörg Meier (Leiden) 1. Einführung – Was ist Heimat? „Heimat. Eine Rehabilitierung“ lautet der programmatische Titel eines 2006 erschienen Buches des in Leipzig lehrenden Philosophen Christoph Türcke (Türcke 2006), und der von dem Theologen Rainer Bendel im Jahr 2008 herausgegebene, umfangreiche Sammelband zur Integration von Vertriebenen trägt den Titel „Die Fremde wird zur Heimat“ (Ben- del 2008). Demgegenüber hat der am Deutschen Historischen Institut in Warschau tätige Historiker und Slawist Andreas Kossert sein im selben Jahr erschienenes Buch, das dem Schicksal der 14 Millionen Menschen nachgeht, die bei Kriegsende aus den deutschen Ostgebieten fl üchteten, später vertrieben oder zwangsumgesiedelt wurden, bezeichnenderweise „Kalte Heimat“ genannt (Kossert 2008). „Heimat. Eine Rehabilitierung“, „Die Fremde wird zur Heimat“ und „Kalte Heimat“: Bereits diese drei exemplarisch herausgegriffenen Buch- titel der vergangenen Jahre verdeutlichen anschaulich, dass „Heimat“ zu den Begriffen in unserer Sprache gehört, über die wir alle eine andere Vorstellung haben. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist Heimat zunächst auf den Ort und die Region bezogen, in die wir hineingeboren werden. Der Begriff verweist auf eine Beziehung zwischen Mensch und Raum, doch ist die geographisch-historische Eingrenzung der Bezugsräume keine feststehende, sondern situationsbedingt veränderbar. Heimat kann sich auf eine Gegend oder Landschaft beziehen, aber auch auf Dorf, http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Jahrbuch für Germanistische Sprachgeschichte de Gruyter

Heimat – Zur Semantik eines schwierigen Begriffs

Jahrbuch für Germanistische Sprachgeschichte , Volume 2 (1): 16 – Sep 15, 2011

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Publisher
de Gruyter
Copyright
Copyright © by Walter de Gruyter GmbH
ISSN
1869-7046
eISSN
1869-7046
DOI
10.1515/9783110236620.128
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Abstract

Jörg Meier (Leiden) 1. Einführung – Was ist Heimat? „Heimat. Eine Rehabilitierung“ lautet der programmatische Titel eines 2006 erschienen Buches des in Leipzig lehrenden Philosophen Christoph Türcke (Türcke 2006), und der von dem Theologen Rainer Bendel im Jahr 2008 herausgegebene, umfangreiche Sammelband zur Integration von Vertriebenen trägt den Titel „Die Fremde wird zur Heimat“ (Ben- del 2008). Demgegenüber hat der am Deutschen Historischen Institut in Warschau tätige Historiker und Slawist Andreas Kossert sein im selben Jahr erschienenes Buch, das dem Schicksal der 14 Millionen Menschen nachgeht, die bei Kriegsende aus den deutschen Ostgebieten fl üchteten, später vertrieben oder zwangsumgesiedelt wurden, bezeichnenderweise „Kalte Heimat“ genannt (Kossert 2008). „Heimat. Eine Rehabilitierung“, „Die Fremde wird zur Heimat“ und „Kalte Heimat“: Bereits diese drei exemplarisch herausgegriffenen Buch- titel der vergangenen Jahre verdeutlichen anschaulich, dass „Heimat“ zu den Begriffen in unserer Sprache gehört, über die wir alle eine andere Vorstellung haben. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist Heimat zunächst auf den Ort und die Region bezogen, in die wir hineingeboren werden. Der Begriff verweist auf eine Beziehung zwischen Mensch und Raum, doch ist die geographisch-historische Eingrenzung der Bezugsräume keine feststehende, sondern situationsbedingt veränderbar. Heimat kann sich auf eine Gegend oder Landschaft beziehen, aber auch auf Dorf,

Journal

Jahrbuch für Germanistische Sprachgeschichtede Gruyter

Published: Sep 15, 2011

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