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Forschungs- und Literaturberichte

Forschungs- und Literaturberichte ASCHKENAS - Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden 10/2000, H. l SABINE ABOLING Das Epitheton 'Jude1 bei Pflanzen Jüdische Kultur im Spiegel botanischer Volksnamen Nehmen wir nicht in Pflanzen und Insekten wahr, was uns an dem Menschen unerklärlich vorkommt? Georg Christoph Lichtenberg (1776) Einleitung In ihren volkstümlichen Namen spiegeln sich hauptsächlich Gestalt und Eigenschaften von Pflanzen wider. Die Schafgarbe (Achillea millefolium) wird bevorzugt von Schafen gefressen, die Herbstzeitlose (Colchicum autumnalis) zeigt einen besonderen Blührhythmus. Die semantische Verbindung von Pflanzenart und Mensch in volkstümlichen Pflanzennamen, die Anfügung eines entsprechenden Epithetons vor das Grundwort (Abb. 1) verknüpft beider Merkmale und eignet sich, um verdeckt oder unmißverständlich auf Menschen anzuspielen, insbesondere auf solche, die als Angehörige bestimmter gesellschaftlicher Gruppen ein Außenseiterdasein fuhren. Gattungsname Epitheton Beschreibender Name ohne systematischen Rang (Grundwort) Juden · kirsche Physalis alkekengi Wissenschaftlicher Name (Gattungsund Artname) Abb. l Volkstümlicher Name (Bestimmungs- und Grundwort) Grammatisches Prinzip der volkstümlichen Benennung von Pflanzenarten am Beispiel von Physalis alkekengi (Judenkirsche) Sabine Aboling Im Hinblick auf die deutschen Juden, deren soziale Stellung und Glaube der christlichen Mehrheit seit jeher Anlaß zu Kommentar und Kritik boten und bieten, könnte man eine Häufung von anspielenden Pflanzennamen vermuten. Immanuel Löw, Verfasser der vierbändigen "Flora der http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Aschkenas - Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden de Gruyter

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Publisher
de Gruyter
Copyright
Copyright © 2009 Walter de Gruyter
ISSN
1016-4987
eISSN
1016-4987
DOI
10.1515/asch.2000.10.1.273
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Abstract

ASCHKENAS - Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden 10/2000, H. l SABINE ABOLING Das Epitheton 'Jude1 bei Pflanzen Jüdische Kultur im Spiegel botanischer Volksnamen Nehmen wir nicht in Pflanzen und Insekten wahr, was uns an dem Menschen unerklärlich vorkommt? Georg Christoph Lichtenberg (1776) Einleitung In ihren volkstümlichen Namen spiegeln sich hauptsächlich Gestalt und Eigenschaften von Pflanzen wider. Die Schafgarbe (Achillea millefolium) wird bevorzugt von Schafen gefressen, die Herbstzeitlose (Colchicum autumnalis) zeigt einen besonderen Blührhythmus. Die semantische Verbindung von Pflanzenart und Mensch in volkstümlichen Pflanzennamen, die Anfügung eines entsprechenden Epithetons vor das Grundwort (Abb. 1) verknüpft beider Merkmale und eignet sich, um verdeckt oder unmißverständlich auf Menschen anzuspielen, insbesondere auf solche, die als Angehörige bestimmter gesellschaftlicher Gruppen ein Außenseiterdasein fuhren. Gattungsname Epitheton Beschreibender Name ohne systematischen Rang (Grundwort) Juden · kirsche Physalis alkekengi Wissenschaftlicher Name (Gattungsund Artname) Abb. l Volkstümlicher Name (Bestimmungs- und Grundwort) Grammatisches Prinzip der volkstümlichen Benennung von Pflanzenarten am Beispiel von Physalis alkekengi (Judenkirsche) Sabine Aboling Im Hinblick auf die deutschen Juden, deren soziale Stellung und Glaube der christlichen Mehrheit seit jeher Anlaß zu Kommentar und Kritik boten und bieten, könnte man eine Häufung von anspielenden Pflanzennamen vermuten. Immanuel Löw, Verfasser der vierbändigen "Flora der

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Aschkenas - Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Judende Gruyter

Published: Jan 1, 2000

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