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»Für das Wohl des Vaterlandes«. Strategien jüdischer Selbstbehauptung um 1800: Das Beispiel von Moritz Jonathan Itzig

»Für das Wohl des Vaterlandes«. Strategien jüdischer Selbstbehauptung um 1800: Das Beispiel von... ASCHKENAS – Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden 18/19 2008/2009, H. 2 Thekla Keuck »Für das Wohl des Vaterlandes« Strategien jüdischer Selbstbehauptung um 1800: Das Beispiel von Moritz Jonathan Itzig »Für das Wohl des Vaterlandes«1 starb am 13. Mai 1813 in Leipzig Moritz Itzig – so zumindest steht es in jenem offiziellen Bericht, den man später seiner Familie zukommen ließ. Elf Tage zuvor war ihm in der Schlacht bei Groß-Görschen durch Kartätschenschuss das rechte Bein zerschmettert worden. Obwohl in Leipzig seinen Verwundungen erlegen, fand Moritz Itzig die letzte Ruhestätte in Dessau. Denn da Juden bis 1837 in Sachsen ohne Wohnrecht waren, ihnen mithin auch die Bestattung ihrer Toten verwehrt wurde, musste sein Leichnam wie der aller in Leipzig verstorbenen Juden ins anhaltinische Dessau überführt werden.2 Moritz Itzig wurde dort auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt. Auf seinem Grabstein war in hebräischer und deutscher Schrift zu lesen: »Hier ruht Moritz Itzig aus Berlin; geboren im Jahre 1786; er starb als freiwilliger Jäger in der Schlacht bei Lützen den Heldentod für seinen König und sein Vaterland.«3 War die Vaterlandsliebe tatsächlich der einzige Grund für Moritz Itzigs Entscheidung, in den Krieg zu ziehen? Wollte er auf dem ›Feld der Ehre‹ nicht http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Aschkenas de Gruyter

»Für das Wohl des Vaterlandes«. Strategien jüdischer Selbstbehauptung um 1800: Das Beispiel von Moritz Jonathan Itzig

Aschkenas , Volume (2) – Dec 1, 2010

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Publisher
de Gruyter
Copyright
Copyright © 2010 by the
ISSN
1016-4987
eISSN
1865-9438
DOI
10.1515/asch.2009.018
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Abstract

ASCHKENAS – Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden 18/19 2008/2009, H. 2 Thekla Keuck »Für das Wohl des Vaterlandes« Strategien jüdischer Selbstbehauptung um 1800: Das Beispiel von Moritz Jonathan Itzig »Für das Wohl des Vaterlandes«1 starb am 13. Mai 1813 in Leipzig Moritz Itzig – so zumindest steht es in jenem offiziellen Bericht, den man später seiner Familie zukommen ließ. Elf Tage zuvor war ihm in der Schlacht bei Groß-Görschen durch Kartätschenschuss das rechte Bein zerschmettert worden. Obwohl in Leipzig seinen Verwundungen erlegen, fand Moritz Itzig die letzte Ruhestätte in Dessau. Denn da Juden bis 1837 in Sachsen ohne Wohnrecht waren, ihnen mithin auch die Bestattung ihrer Toten verwehrt wurde, musste sein Leichnam wie der aller in Leipzig verstorbenen Juden ins anhaltinische Dessau überführt werden.2 Moritz Itzig wurde dort auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt. Auf seinem Grabstein war in hebräischer und deutscher Schrift zu lesen: »Hier ruht Moritz Itzig aus Berlin; geboren im Jahre 1786; er starb als freiwilliger Jäger in der Schlacht bei Lützen den Heldentod für seinen König und sein Vaterland.«3 War die Vaterlandsliebe tatsächlich der einzige Grund für Moritz Itzigs Entscheidung, in den Krieg zu ziehen? Wollte er auf dem ›Feld der Ehre‹ nicht

Journal

Aschkenasde Gruyter

Published: Dec 1, 2010

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