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Differenzierende musikalische Abstinenz – die Einführung des Kirchengesangs im reformierten Zürich

Differenzierende musikalische Abstinenz – die Einführung des Kirchengesangs im reformierten Zürich Differenzierende musikalische Abstinenz – die Einführung des Kirchengesangs im reformierten Zürich* Von Francisca Loetz und Franziska Eggimann WerinderdeutschsprachigenSchweizeinenreformiertenGottesdienstbesucht, gehtnichtindieKircheoderindenGottesdienst,sondern–wieesmundsprach- lich heißt – „z Predigt“. Und dies, obwohl der Kirchengesang mit instrumen- taler Begleitung heute selbstverständlicher Bestandteil jedes Gottesdienstes ist. Die Redewendung vom „Gehen in die Predigt“verdeutlicht etwas, das gemein- hin als wesentliches Merkmal des Protestantismus gilt: die mit Bibelexegese ver- knüpfte Wortverkündigung. Im Zürich des 16.Jahrhunderts galt dies umso mehr als der Kommunalstaat sich mit der zwinglianischen Reformation für den reinen Wortgottesdienst ent- schieden hatte. Die Messe samt ihrer musikalischen liturgischen Elemente war abgeschafft worden. Der Gottesdienst war frei von Gesang, Instrumente kamen nicht zum Einsatz, musikalisch war es still. Ruhig war es dennoch nicht. Akus- tisch muss man sich die Gottesdienste im Zürcher Reformiertentum in diesem Zeitraum als Mischung aus Gebet, Textlesung, eigentlicher Predigt und Segen, als „Predigt“ vorstellen. In die liturgischen, volkssprachlich verkündigten Texte werden sich mehr oder weniger laute vor der Kirchentür geführte Gespräche, gemurmelte Kommentare, Hundegebell, das Blättern in der Bibel, Schritte von Herumlaufenden, vermutlich manches Schnarchen und andere Geräusche ge- mischt haben. Zumindest musikalisch änderte sich dies zu Pfingsten 1598 mit * Der Beitrag ist eine ausgearbeitete Fassung eines Vortrags, den wir im Rahmen http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Archiv für Reformationsgeschichte - Archive for Reformation History de Gruyter

Differenzierende musikalische Abstinenz – die Einführung des Kirchengesangs im reformierten Zürich

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Publisher
de Gruyter
Copyright
© 2021 by Gütersloher Verlagshaus
eISSN
2198-0489
DOI
10.14315/arg-2016-1070110
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Abstract

Differenzierende musikalische Abstinenz – die Einführung des Kirchengesangs im reformierten Zürich* Von Francisca Loetz und Franziska Eggimann WerinderdeutschsprachigenSchweizeinenreformiertenGottesdienstbesucht, gehtnichtindieKircheoderindenGottesdienst,sondern–wieesmundsprach- lich heißt – „z Predigt“. Und dies, obwohl der Kirchengesang mit instrumen- taler Begleitung heute selbstverständlicher Bestandteil jedes Gottesdienstes ist. Die Redewendung vom „Gehen in die Predigt“verdeutlicht etwas, das gemein- hin als wesentliches Merkmal des Protestantismus gilt: die mit Bibelexegese ver- knüpfte Wortverkündigung. Im Zürich des 16.Jahrhunderts galt dies umso mehr als der Kommunalstaat sich mit der zwinglianischen Reformation für den reinen Wortgottesdienst ent- schieden hatte. Die Messe samt ihrer musikalischen liturgischen Elemente war abgeschafft worden. Der Gottesdienst war frei von Gesang, Instrumente kamen nicht zum Einsatz, musikalisch war es still. Ruhig war es dennoch nicht. Akus- tisch muss man sich die Gottesdienste im Zürcher Reformiertentum in diesem Zeitraum als Mischung aus Gebet, Textlesung, eigentlicher Predigt und Segen, als „Predigt“ vorstellen. In die liturgischen, volkssprachlich verkündigten Texte werden sich mehr oder weniger laute vor der Kirchentür geführte Gespräche, gemurmelte Kommentare, Hundegebell, das Blättern in der Bibel, Schritte von Herumlaufenden, vermutlich manches Schnarchen und andere Geräusche ge- mischt haben. Zumindest musikalisch änderte sich dies zu Pfingsten 1598 mit * Der Beitrag ist eine ausgearbeitete Fassung eines Vortrags, den wir im Rahmen

Journal

Archiv für Reformationsgeschichte - Archive for Reformation Historyde Gruyter

Published: Oct 1, 2016

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