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Die Geburt der Laren. Mythos und dichterische Erfindung in Ovids Fasti

Die Geburt der Laren. Mythos und dichterische Erfindung in Ovids Fasti Die Geburt der Laren Mythos und dichterische Erfindung in Ovids Fasti* Virgilio Masciadri ber das Verhltnis des Ovid zur Mythologie ist sich ein großer Teil seiner heutigen Interpreten einig: Die von den Vorvtern ererbten Gçtter- und Hel- dengeschichten sind fr den Dichter vor allem ein Stoff, den er neu erzhlen und verformen kann. Ovid gestaltet daraus spielerisch bunte poetische Welten, er verfremdet, ironisiert, aber er nimmt die berlieferung – wie der feine Witz andeutet, von dem seine Erzhlungen durchsponnen sind – nicht ernst . Mit- gedacht ist in einem solchen Zugang zum Werk des augusteischen Dichters immer auch eine bestimmte Auffassung von Mythen: Diese entstammen (so stellt man sich vor) einer Frhzeit der Kultur, sind heilige Erzhlungen der ltesten Vçlker, also nicht Schçpfung eines Einzelnen, sondern eines Kollektivs, einer Nation oder Religionsgemeinschaft, deren wesentliche Wahrheiten sie von Geschlecht zu Geschlecht weitergeben. Damit liegt der Mythos der Literatur voraus, entwickelt sich in mndlicher Tradition whrend einer Epoche, die keine Schrifttexte kennt. Zwischen dieser mythischen Urzeit und einem Dichter wie Ovid steht nach diesem Modell ein Bewusstseinswandel, der in der klassischen Periode Grie- chenlands einsetzt: Die damals entstehende Philosophie im Verein mit der Ausbreitung einer Schriftkultur brachte eine neue rationale Weltsicht http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Archiv für Religionsgeschichte de Gruyter

Die Geburt der Laren. Mythos und dichterische Erfindung in Ovids Fasti

Archiv für Religionsgeschichte , Volume 11 (1): 30 – Nov 16, 2009

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Publisher
de Gruyter
Copyright
©2012 by Walter de Gruyter GmbH & Co.
ISSN
1868-8888
eISSN
1868-8888
DOI
10.1515/9783110208962.2.179
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Abstract

Die Geburt der Laren Mythos und dichterische Erfindung in Ovids Fasti* Virgilio Masciadri ber das Verhltnis des Ovid zur Mythologie ist sich ein großer Teil seiner heutigen Interpreten einig: Die von den Vorvtern ererbten Gçtter- und Hel- dengeschichten sind fr den Dichter vor allem ein Stoff, den er neu erzhlen und verformen kann. Ovid gestaltet daraus spielerisch bunte poetische Welten, er verfremdet, ironisiert, aber er nimmt die berlieferung – wie der feine Witz andeutet, von dem seine Erzhlungen durchsponnen sind – nicht ernst . Mit- gedacht ist in einem solchen Zugang zum Werk des augusteischen Dichters immer auch eine bestimmte Auffassung von Mythen: Diese entstammen (so stellt man sich vor) einer Frhzeit der Kultur, sind heilige Erzhlungen der ltesten Vçlker, also nicht Schçpfung eines Einzelnen, sondern eines Kollektivs, einer Nation oder Religionsgemeinschaft, deren wesentliche Wahrheiten sie von Geschlecht zu Geschlecht weitergeben. Damit liegt der Mythos der Literatur voraus, entwickelt sich in mndlicher Tradition whrend einer Epoche, die keine Schrifttexte kennt. Zwischen dieser mythischen Urzeit und einem Dichter wie Ovid steht nach diesem Modell ein Bewusstseinswandel, der in der klassischen Periode Grie- chenlands einsetzt: Die damals entstehende Philosophie im Verein mit der Ausbreitung einer Schriftkultur brachte eine neue rationale Weltsicht

Journal

Archiv für Religionsgeschichtede Gruyter

Published: Nov 16, 2009

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