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"Boten der Vergangenheit"? Antiquierte Barbarei: Mittelalterliche Pogrome im neuzeitlichen Gedächtnis

"Boten der Vergangenheit"? Antiquierte Barbarei: Mittelalterliche Pogrome im neuzeitlichen... ASCHKENAS - Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden 10/2000, H. l JOHANNES HEIL "Boten der Vergangenheit"? Antiquierte Barbarei: Mittelalterliche Pogrome im neuzeitlichen Gedächtnis "Der Geschichtsforscher, der es zum Gegenstand seiner Untersuchung machte, das Motiv erforschen, das von jeher den Haß der Christen gegen die Juden hervorgebracht hat, würde finden, daß jenes Motiv verschieden ist je nach den Zeiten, die er in Erwägung zieht." (Ludwig Borne, 1808)1 "... um gemeinsam zu überlegen, wie sich Berlin für diese Boten der Vergangenheit immunisieren kann" - der 1998 so sprach, Andreas Nachama, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, hatte einmal mehr auf den bedenklichen Anstieg antisemitischer Aktivitäten in Deutschland verwiesen.2 Auffällig ist die Klassifizierung des Gegenstands als "Boten der Vergangenheit". Darin schwingt die Furcht vor Wiederholung von Geschichte mit; darin klingt gegenläufig auch die Meinung an, Judenfeindschaft sei ein Phänomen "von gestern" und unter den Vorzeichen der eigenen Zeit eigentlich nicht denkbar. Der Reflex ist verständlich und charakteristisch zugleich: Der Vergangenheit, dem "dunklen Mittelalter", wird aufgedrängt, was der Gegenwart fern sein oder entrückt werden soll. Anders als das 17. Jh., das den Begriff "Mittelalter" lediglich als Kriterium zur Gliederung der Universalgeschichte nutzte3, ist das "dunkle" Mittelalter LUDWIG BORNE: Freimütige Bemerkungen über http://www.deepdyve.com/assets/images/DeepDyve-Logo-lg.png Aschkenas - Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden de Gruyter

"Boten der Vergangenheit"? Antiquierte Barbarei: Mittelalterliche Pogrome im neuzeitlichen Gedächtnis

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Publisher
de Gruyter
Copyright
Copyright © 2009 Walter de Gruyter
Subject
Aufsätze
ISSN
1016-4987
eISSN
1016-4987
DOI
10.1515/asch.2000.10.1.9
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Abstract

ASCHKENAS - Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden 10/2000, H. l JOHANNES HEIL "Boten der Vergangenheit"? Antiquierte Barbarei: Mittelalterliche Pogrome im neuzeitlichen Gedächtnis "Der Geschichtsforscher, der es zum Gegenstand seiner Untersuchung machte, das Motiv erforschen, das von jeher den Haß der Christen gegen die Juden hervorgebracht hat, würde finden, daß jenes Motiv verschieden ist je nach den Zeiten, die er in Erwägung zieht." (Ludwig Borne, 1808)1 "... um gemeinsam zu überlegen, wie sich Berlin für diese Boten der Vergangenheit immunisieren kann" - der 1998 so sprach, Andreas Nachama, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, hatte einmal mehr auf den bedenklichen Anstieg antisemitischer Aktivitäten in Deutschland verwiesen.2 Auffällig ist die Klassifizierung des Gegenstands als "Boten der Vergangenheit". Darin schwingt die Furcht vor Wiederholung von Geschichte mit; darin klingt gegenläufig auch die Meinung an, Judenfeindschaft sei ein Phänomen "von gestern" und unter den Vorzeichen der eigenen Zeit eigentlich nicht denkbar. Der Reflex ist verständlich und charakteristisch zugleich: Der Vergangenheit, dem "dunklen Mittelalter", wird aufgedrängt, was der Gegenwart fern sein oder entrückt werden soll. Anders als das 17. Jh., das den Begriff "Mittelalter" lediglich als Kriterium zur Gliederung der Universalgeschichte nutzte3, ist das "dunkle" Mittelalter LUDWIG BORNE: Freimütige Bemerkungen über

Journal

Aschkenas - Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Judende Gruyter

Published: Jan 1, 2000

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